Asylplus: Perspektiven schaffen!
Warum installiert ein erfolgreicher Serienunternehmer Laptops für Flüchtlinge?

München, Juni 2016. „Nenn mich Thomas“, grüßt mich Dr. Thomas von Rüden unkompliziert und streckt mir grinsend seine Hand entgegen. Der Spätfünfziger dirigiert das Team von Asylplus, einem Verein, der Flüchtlingen durch computergestütztes Lernen Zugang zu Bildung und damit auch zu beruflichen Perspektiven eröffnet. Das Team ist dabei in der Stadtbibliothek im Münchner Gasteig für Flüchtlinge Zugang zu computergestütztem Lernen zu ermöglichen.

Während Thomas meine Fragen beantwortet klebt er ein silbergraues Klebeetikett mit der Inventarnummer auf die Rückseite eines kleinen Laptops. Er ist bestrebt keine Laptops, vor allem aber keine Zeit zu verlieren. Dafür ist es zu wichtig was er und seine Organisation hier tun.

An der Tragelasche hält er einen Laptop in die Höhe. „Das ist eine moderne Schultasche“, meint Thomas augenzwinkernd. „Die sind robust, leicht, leistungsstark und günstig in der Anschaffung. Für knapp 200 Dollar erhalten die Kinder Zugang zu Wissen, mehr als selbst in diese große Stadtbücherei passen würde.“

Anfang 2016 startete NetHope mit der Unterstützung von Google.org "Project Reconnect", um Flüchtlingen mit Hilfe von 25.000 Chromebooks den Zugang zu online Informationen und Bildungsangeboten zu ermöglichen. Gemeinnützige Organisationen aus ganz Deutschland, die mit Flüchtlinge arbeiten, konnten sich für Chromebooks bewerben. Der Verein Asylplus, den Dr. Thomas von Rüden gemeinsam mit Frau Waltraud Haase gegründet hat, war unter den ersten, die den Zuschlag für den Einsatz von Chromebooks unter anderem in Bibliotheken erhielten.

„Wo ist denn das Netzteil zu diesem Chromebook?“ fragt Thomas in die Runde. Ungeduldig suchend blickt er um sich. Ich habe den Eindruck das fehlende Teil bereitet ihm fast schon physisches Unbehagen. Er kann es nicht haben, wenn Kleinigkeiten verhindern, dass das große Ganze funktioniert.  „Wir werden im Alltagsbetrieb keine Netzteile ausgeben, sondern nur aufgeladene Chromebooks. Können wir das gleich als Standardprozess festhalten?“ lernt er aus dieser Erfahrung.

Während er das W-Lan eines Chromebooks einrichtet, schildert er, wie er nicht nur Hardware sondern auch die Anwendungen von Google für seine Organisation intensiv nutzt.  Mit der Geräteverwaltung konfiguriert und verwaltet Asylplus die Chromebooks mit geringem Aufwand aus der Ferne. Mit Google Forms hat er Umfragen für Initiativen, die ebenfalls das computergestützte Lernen anbieten wollen, entwickelt und lädt die gewonnenen Antworten digital aufbereitet in Google Tabellen. So können die Nachfragen für die Asylplus Chromebooks einfach administriert werden. „In Google Maps habe ich gerade alle bundesweiten Einsatzorte von Asylplus Systemen auf einer Deutschlandkarte mit Fähnchen markiert und bei uns auf unserer Internetseite eingebunden“, begeistert sich Thomas, der von sich behauptet von Computern keine Ahnung zu haben.

Seine systematische Vorgehensweise überrascht niemanden, der die Vergangenheit von Dr. Thomas von Rüden kennt. Der Serienunternehmer im Biotechnologiebereich war langjährig Vorstand verschiedener,  sogar börsennotierter Unternehmen und kennt sich mit Prozessoptimierung bestens aus. Was motiviert jemanden wie ihn dazu nun in der Stadtbibliothek zu stehen und Notebooks aus Kartonverpackungen zu ziehen?

„In den vergangenen 24 Monaten haben über 1 Millionen Menschen in Deutschland Zuflucht gesucht. Die hoffen auf eine Chance bei uns“, erklärt Thomas. „Sie müssen oft erst einmal unsere Sprache erlernen, möglicherweise noch eine Berufsausbildung erlangen und unsere Kultur verstehen, damit sie hier eine berufliche Perspektive haben. Mit den Chromebooks bieten wir Programme zur Sprach- und Berufsausbildung sowie den Zugang zum Arbeitsmarkt an."

"Wozu das führt, wenn zu viele Menschen keine Perspektiven haben, hat man ja im Deutschland der Dreißiger Jahre gesehen. Menschen ohne Perspektiven sind für Extremisten leichte Beute. Was wir hier machen“, fasst Thomas zusammen, „ist sehr wichtig für Deutschland und mein Lebensmotto: Perspektiven schaffen“.

Post von Sybille Fleischmann, Project Lead, NetHope Project Reconnect