Save the Children: Digitale Kompetenz für Flüchtlingskinder als Sprungbrett in die Zukunft

© Bastian Strauch/Save the Children

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November 2017. Eisenhüttenstadt ist eine Kleinstadt an der deutsch-polnischen Grenze. Derzeit leben dort rund 200 Flüchtlingskinder und deren Familien. Diese Kinder sind aus ihren Heimatländern vor Krieg, Gewalt und Verfolgung geflohen und waren auf ihrer Reise Gefahren und Risiken ausgesetzt, die kein Kind jemals erleben sollte. Sie haben in den monotonen grauen Kasernen von Eisenhüttenstadt den ersten Anschein von Frieden und Routine gefunden. Bis die Behörden entscheiden, wohin die Familien transferiert werden sollen, ist dies das nächstbeste, was als Zuhause bezeichnet werden kann - oder zumindest als ein temporäres Sprungbrett, von dem aus man sich auf die Zukunft vorbereiten kann.

“Wenn ich groß bin, möchte ich Ärztin werden", sagt die 15 Jahre alte Jasmine*. "Ich weiß, dass es für mich sehr schwer sein wird, auf einer Sprache zu studieren, die ich vorher von Grund auf lernen muss. Aber ich werde mein Bestes geben und dafür kommt mir jede Schulung auf Deutsch zugute." Vorerst kann sich Jasmine auf ihren Deutschunterricht an der in die Flüchtlingsunterkunft integrierte Schule konzentrieren.

Seit Kurzem besucht Jasmine noch eine andere Klasse, in der sie lernen kann, wie man einen Computer benutzt und wie man sicher im Internet surft. Obwohl Smartphones bereits ein fester Bestandteil des Lebens vieler Kinder und während der Flucht oft die einzige Möglichkeit sind, um  Kontakt mit der Familie und den Freunden zu halten, hatten einige Kinder wie Jasmine noch nie die Möglichkeit, mit einem Computer zu arbeiten. "Ich habe mein Handy benutzt, um soziale Medien zu nutzen. Aber ich habe mir nie viele Gedanken darüber gemacht, meine Privatsphäre online zu schützen. In meiner Schule in Kamerun gab es nachmittags auch Computerkurse, aber ich hatte nie die Zeit, an ihnen teilzunehmen, da ich mich um meine jüngeren Geschwister kümmern musste", erinnert sie sich.

© Bastian Strauch/Save the Children

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Seit Juni 2017 hat sich das für Jasmine geändert. Denn nun nimmt sie am Kurs über digitale Medien für Kinder und Jugendliche teil, den Save the Children in der Flüchtlingsunterkunft in Eisenhüttenstadt anbietet. In diesem Kurs werden die von NetHope im Rahmen von Project Reconnect gespendeten Chromebooks verwendet, um die Computerkenntnisse von Kindern zu verbessern und ihnen zu vermitteln, wie sie das Internet in einer Weise nutzen können, die ihren Bedürfnissen entspricht und wie sie dabei ihre Daten und ihre Privatsphäre schützen können. Gleichzeitig wird durch diesen Kurs den Kindern eine Freizeitaktivität angeboten, die zugleich lehrreich ist und Spaß macht.  

Und es scheint großen Anklang zu finden.

"Kinder stehen eifrig vor der Klassentür für diesen Kurs", sagt eine der Lehrerinnen an  der lokal integrierten Schule für Flüchtlingskinder, "Es ist wirklich eine wunderbare Gelegenheit für sie. Wir haben es nie für möglich gehalten, dass jemand Laptops spendet, die wir auch nach Beendigung des Programms von Save the Children in der Schule behalten können." Save the Children bindet die Lehrer in den Kurs für digitale Medien ein und gibt ihnen die Möglichkeit, auch jenseits des Projekts die Kursinhalte zu vermitteln, um sicherzustellen, dass dieser Kurs zum strukturellen Bestandteil des Lehrplans der örtlichen Schule wird.  

Die Möglichkeit, mit Computern zu arbeiten, bedeutet für Kinder viel mehr, als dass sie nur ein weiteres Gerät haben, um Spiele zu spielen. Das Programm lehrt sie, wie sie sich im Internet sicher bewegen können und wie sie es als Plattform nutzen, um sich Gehör zu verschaffen und Zugang zu Informationen, Wissen und Kommunikation zu erlangen. "Ich habe Freunde in Italien, mit denen ich immer noch Kontakt habe", sagt der zwölfjährige Eric* aus Kamerun. Er ist erst vor kurzem in die Klasse gekommen ist und möchte gerne sein Deutsch verbessern - und alles erforschen, was das Internet über Fußball zu bieten hat.

© Bastian Strauch/Save the Children

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Es gibt kein Programm, das Kinder umfassend auf die Zukunft vorbereiten kann. Aber die Fähigkeit, wichtige Informationen zu suchen und zu finden, Zugang zu Wissen zu erlangen, Erfahrungen und Meinungen mit anderen auszutauschen und sich in einer digitalen Welt Gehör zu verschaffen, hilft den Flüchtlingskindern, im heutigen digitalen Zeitalter einen vernünftigen Sprung in ihre Zukunft zu schaffen.

 

Post by Izabela Bajalska, Save the Children

 

* Namen zum Schutz der Identitäten geändert.