Refugees Emancipation: Hilfe für Flüchtlinge, ihre Zukunft selbst zu gestalten

Mit Hilfe von Chromebooks arbeiten Flüchtlinge an ihren Zukunftsplänen: Arbeit zu finden oder wieder zur Schule zu gehen. 

Februar 2018. Im Erdgeschoss der Flüchtlingsunterkunft in Potsdam treffen sich die Bewohner im Internetcafé, um Deutsch zu lernen und arbeiten können. Die Organisation Refugees Emancipation hat in der Unterkunft Internetzugang installiert und Laptops bereitgestellt. Die von Flüchtlingen geleitete Organisation kümmert sich darum, dass Flüchtlinge Zugang zum Internet und zu Online-Ressourcen haben. Die Bewohner der Unterkunft nutzen Google Chromebooks, kleine internetbasierte Laptops, nicht nur im Internetcafé, sondern auch außerhalb der Einrichtung, um Deutsch zu lernen, zu recherchieren oder auch einfach nur zur Unterhaltung. Für jeweils vier Wochen können die Laptops ausgeliehen und mit Familie und Freunden genutzt werden.

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Bei einer kleinen Eröffnungsveranstaltung in der Unterkunft erklären Mitarbeiter von Refugees Emancipation interessierten Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft, wie die Chromebooks funktionieren und was man mit ihnen machen kann. Einige der Flüchtlinge haben schon ganz konkrete Vorstellungen. 

Osman Zamani möchte das Chromebook nutzen, um sich damit auf einen Job vorzubereiten. Er ist aus Afghanistan geflohen und lebt seit zwei Jahren in Deutschland. Er spricht schon recht gut Deutsch. Sein Sprachzertifikat bescheinigt ihm, dass er auf Deutsch Alltagssituationen gut bewältigen kann. Osman reicht das noch nicht: Er will sein Deutsch weiter verbessern. Mit dem Chromebook möchte er sich auf die Sprachprüfungen mit höherem Niveau vorbereiten. Mit denen kann er sich in Deutschland dann auch auf einen Job bewerben. In Afghanistan war Osman Kameramann und hat als solcher Videos für Online-Nachrichten gedreht. “Das möchte ich auch in Deutschland wieder machen”, erzählt er. Bei den Vorbereitungen dafür soll ihm das Chromebook helfen: beim Erstellen seines Lebenslaufs und beim Schneiden und Bearbeiten von Videos. 

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Wie Osman hat auch Masoud Faqiri bereits vor Beginn der Eröffnungsveranstaltung vor der Tür des Internetcafés gewartet. Masoud ist vor einem halben Jahr in Deutschland angekommen. Seither hat er fleißig Deutsch gelernt. In Gesprächen übersetzt er für seine Mutter, die mit ihm geflohen ist. Der 17-Jährige Masoud weiß genau, wofür er die Laptops nutzen will: um YouTube-Tutorials anzuschauen, mit denen er sein Deutsch weiter verbessern kann. Deutsch lesen, Deutsch schreiben, Deutsch sprechen, alles, was er kann, hat er sich mit Videos beigebracht, denn in Deutschland zur Schule gehen darf Masoud bisher noch nicht. Er hofft sehr, dass er bald eine Schule besuchen darf. “Ich möchte Zahnarzt werden”, sagt er, “und in Deutschland studieren.” Doch der erste Schritt ist die Aufnahme an einer deutschen Schule. Bis dahin wird Masoud weiter selbst Deutsch lernen - im Internetcafé in der Unterkunft in Potsdam und mit einem ausgeliehenen Chromebook auch außerhalb davon. 

Insgesamt betreibt Refugees Emancipation neun Internetcafés in Potsdam und Berlin. In diesen Cafés bieten die freiwilligen Mitarbeiter der Organisation auch Kurse an: zu Computer-, Radio- und Audiotechnik und Deutschkurse. 
 

 

Post von Theresa Ritzer, NetHope - Project Reconnect