Project Reconnect: Hilfe für Flüchtlinge, ihr Leben in Deutschland neu aufzubauen

“Ich bin ein irakischer Flüchtling, seit zwei Jahren und sieben Monaten in Deutschland. In dieser Zeit war ich in verschiedenen Städten und habe in verschiedenen Institutionen Deutsch gelernt. Zusätzlich war ich regelmäßiger Besucher des Lerntreffs in Bogenhausen [und habe dort in der Bücherei mit Chromebooks gelernt]. Daher konnte ich in dieser Zeit auch meine Sprachprüfungen und den Integrationskurs absolvieren. Das Sprachtraining auf dem Computer war sehr hilfreich für mich.”
— Samer, Chromebook-Nutzer

März 2018. Samer* ist einer von tausenden von Flüchtlingen, die in den Jahren 2016 und 2017 von Project Reconnect unterstützt wurden. Die Initiative hilft Flüchtlingen unter Anderem, Deutsch zu lernen, sich in Deutschland zurechtzufinden, ihre Ausbildung fortzusetzen oder Arbeit zu finden. 

Das gemeinnützige Forschungsinstitut RTI International, das NetHope bei der Evaluation von Project Reconnect unterstützte, sammelte die Erfahrungen von Samer und anderen Geflüchteten und stellte diese mit weiteren Erkenntnisse im Project Reconnect Abschlussbericht (9/2017) zusammen. Die Zusammenfassung aus dem Abschlussbericht von RTI International können Sie weiter unten lesen. Der vorliegende Auszug wurde übersetzt von Project Reconnect Mitarbeitern. 

Die Organisationen, die Chromebooks von Project Reconnect erhalten haben, setzen diese in vielen verschiedenen Initiativen und Programmen ein. Die Laptops stehen den Geflüchteten beispielsweise in Deutsch- und Alphabetisierungskursen, in Integrationskursen und berufsvorbereitenden Programmen zur Verfügung. Auch in Flüchtlingsunterkünften, Stadtbüchereien und Beratungsstellen werden die Laptops zur Recherche und zum Online-Lernen genutzt. 

Das Team von Project Reconnect bedankt sich bei allen Organisationen und Mitarbeitern für den innovativen und kreativen Einsatz der Chromebooks in der Flüchtlingsarbeit. Ebenso ein ganz herzliches Dankeschön an das Team von Google.org, Google Deutschland und die zahlreichen Google Volunteers, die Project Reconnect mit ihrer Expertise und ihrem Engagement unterstützt haben. 

 

Post von Sybille Fleischmann, Project Lead, NetHope - Project Reconnect

 

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Project Reconnect Abschlussbericht

Zusammenfassung

erstellt von RTI International September 2017

Das International Rescue Committee schätzt, dass 65 Millionen Menschen auf der Welt, aufgrund von Kriegen, Naturkatastrophen und Hungersnöten, ihre Heimat verlassen mussten. Mehr als die Hälfte der weltweiten Flüchtlinge sind Kinder. In den vergangenen sechs Jahren haben der Krieg in Syrien und andere Krisen die größte Fluchtbewegung seit dem Zweiten Weltkrieg verursacht. Allein zwölf Millionen Syrer mussten ihre Heimatstädte verlassen und in andere Teile des Landes, in Nachbarländer oder noch weiter weg fliehen. Seit Januar 2015 erreichten mehr als 2,4 Millionen Flüchtlinge als Asylsuchende die Küsten Europas, um Kämpfen, Verfolgung und Elend zu entkommen. Die meisten von ihnen kommen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, Albanien, Pakistan, Nigeria, dem Kosovo, Eritrea und dem Iran.

Project Reconnect war eine mutige und ambitionierte Maßnahme, die Ende 2015 von Google Deutschland, Google.org und NetHope konzipiert wurde. Das Projekt entstand in einer Krisenzeit, ausgelöst von dem enormen Zustrom von Flüchtlingen und Asylsuchenden nach Deutschland. Bis Ende 2015 erreichte die Anzahl der neu in Deutschland ankommenden Flüchtlinge noch nie dagewesene Ausmaße in der jüngeren Geschichte des Landes – bis zu 200.000 Menschen pro Monat.

Ursprünglich geplant als einjährige Initiative, war das Ziel von Project Reconnect, Flüchtlinge dabei zu unterstützen, ihr Leben in Deutschland neu aufzubauen, in dem Project Reconnect den Zugang zu online Bildungsangeboten, Sprach- und Kulturlerninhalten und anderen online Informationsquellen ermöglicht. Um dieses Ziel zu erreichen, stellte NetHope mit der Unterstützung von Google.org 25.000 Chromebooks für Organisationen zur Verfügung, die in Deutschland in der Flüchtlingshilfe aktiv sind. Bis Ende des Projekts, das letztendlich bis August 2017 verlängert wurde, verteilte NetHope zwischen 30 und 3.500 Chromebooks an 50 Organisationen. 24.952 Geräte wurden ausgeliefert. Die restlichen 48 werden vom Project Reconnect Team, den Google Ingenieuren und Partnerorganisationen zu Test- und Unterstützungszwecken genutzt. Die Organisationen, die die Chromebooks erhielten, stellen diese an über 1.000 Standorten in allen 16 deutschen Bundesländern zur Verfügung, zum Beispiel in Bildungseinrichtungen, in öffentlichen Büchereien und in Flüchtlingsunterkünften.

Die logistischen und programmatischen Anstrengungen, ein Zuwendungsprojekt dieser Größe zu starten und zu leiten, sowie 25.000 Chromebooks in diesem Zeitraum zu verteilen, waren gewaltig. Zuwendungsempfänger Organisationen und Standorte sahen sich zeitweise nahezu unüberwindbaren Hürden gegenüber wie Mangel an angemessener Internetverbindung, ausgebildetem Personal, nützlichen Internetangeboten für Geflüchtete, Offline-Funktionen der Chromebooks und bewährten zweckmäßigen Anleitungen. Über die Dauer des Projekts sammelten NetHope, die Zuwendungsempfänger und die Mitarbeiter an den Standorten, an denen die Chromebooks eingesetzt werden, jedoch viele wertvolle Erfahrungen und gewannen erhebliche Kompetenz in der Bereitstellung und Verwendung von Technologie und deren zielführende Einbettung in die Arbeit mit Flüchtlingen.

 Flüchtlinge lernen am Chromebook in der Volkshochschule Hof. 

Flüchtlinge lernen am Chromebook in der Volkshochschule Hof. 

Ein wichtiger Wegbereiter war die Vielseitigkeit, mit der die Chromebooks die Flüchtlingsarbeit der Zuwendungsempfänger bereichert haben – im Bildungsbereich, bei der Suche nach Informationen, bei Beratung, Kommunikation und in der Freizeitbeschäftigung. Ebenso eröffneten sie gezielt Möglichkeiten für Frauen und Kinder, besonders für unbegleitete Minderjährige. Als Maßnahme für eine Ausnahmesituation, war Project Reconnect weder als Bildungsprojekt noch als Arbeitsvermittlung für Flüchtlinge konzipiert. Stattdessen sollte das Projekt Flüchtlingen dabei helfen, ihr Leben in Deutschland neu aufzubauen, indem es Zugang zu online Bildungsangeboten und Informationen bereitstellt. Es besteht kein Zweifel, dass Project Reconnect in der Lage war, genau dieses Ziel zu erreichen – für Tausende von Flüchtlingen in ganz Deutschland.

* Name von der Redaktion geändert