Project Reconnect: Engagement für den Start in ein neues Leben

Mit Kreativität und viel Herz engagieren sich gemeinnützige Organisationen, Gemeinden, Helferkreise und viele andere für Flüchtlingen in Deutschland und helfen diesen sich fern der Heimat zurechtzufinden und sich ein neues Leben aufzubauen. Organisationen und Initiativen, die Laptops von Project Reconnect erhalten haben, nutzen diese, um Tausenden von Flüchtlingen den Zugang zu Online-Bildungsangeboten, Sprachprogrammen, Job- und Praktikumsbörse und vielen anderen Inhalten zu ermöglichen.

 

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Internationaler Bund: Lernen für einen Arbeitsplatz in Deutschland

Juni 2016. Am Standort des Internationalen Bundes in Köln unterstützen Chromebooks Flüchtlinge beim Deutsch lernen. Der Standort bietet vier Sprachkurse, von denen zwei vormittags und zwei nachmittags stattfinden. Die Chromebooks werden eingesetzt, um im Unterricht behandelte Themen zu vertiefen, wie zum Beispiel kulturelle Unterschiede der Herkunftsländer der Flüchtlinge und Deutschland, oder um einen Lebenslauf zu erstellen. Nach dem Unterricht nutzen die Flüchtlinge die Chromebooks, um Vokabeln zu lernen und Hausaufgaben zu machen. Daneben wird mit den Chromebooks nach Übungen zu Aussprache gesucht – ein Angebot ist die Internetseite ausbildung.de. Generell wird mit den Chromebooks über Online-Angebote wie Ich-will-Deutsch-lernen.de die deutsche Sprache gelernt. Die Schulungen des Internationalen Bundes sollen den Flüchtlingen helfen, besser qualifizierte Arbeitsplätze zu finden. 

 

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Refugees Online: In Gedichten und Liedern Erfahrungen verarbeiten

Oktober 2016. Ali Hiners Hobby ist es, lyrische Texte zu schreiben und sich beim Vortragen auf der Gitarre zu begleiten. Aber in seinem Heimatland Syrien herrscht Krieg. Ali musste fliehen. In Deutschland lebt er nun gemeinsam mit anderen Flüchtlingen aus Syrien in einer Gemeinschaftsunterkunft. Er schreibt immer noch Gedichte und Lieder. Darin beschreibt er seine neue Situation in Deutschland - auf Deutsch. Die Chromebooks in der Unterkunft haben ihn auf eine Idee gebracht: er startete einen Blog, auf dem er seine Texte mit anderen Menschen teilt. Warum schreibt er auf Deutsch? "Ich möchte anderen Flüchtlingen zeigen, dass es etwas nützt, Deutsch zu lernen. Deutsch ist schließlich nicht nur die Sprache für einen Termin bei einer Behörde." Für Ali ist Deutsch auch die Sprache für Lieder und für Gedichte. 

 

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Kiron Open Higher Education: Ein geflüchteter Student wird Mitarbeiter

Oktober 2016. Saeed stammt aus Syrien und ist 27 Jahre alt. Von dort floh er nach München. Als er von Kiron erfuhr, meldete er sich mit seinem Smartphone als Student an. Im Kiron-Büro in München richteten die Mitarbeiter ein provisorisches Study Hub ein, einen Raum, in Münchner Kiron Studenten die von Nethope zur Verfügung gestellten Chromebooks nutzen um ihre Online-Kurse zu machen. Saeed hat keinen Laptop und nahm daher dieses Angebot gerne an. Er lernte nicht nur regelmäßig mit dem Chromebook, sondern suchte auch nach Informationen über den Asyl-Antragsprozess und seine Rechte als Geflüchteter. Er fand die Idee des Study Hubs so gut, dass er anderen Geflüchteten von diesem Angebot erzählte und so neue Studenten für Kiron anwarb. Das zahlte sich für ihn aus: "Die Chromebooks haben mir nicht nur die Möglichkeit gegeben, meine Studien bei Kiron zu schaffen und mich durch Deutschlands Bürokratie-Dschungel zu schlagen, sondern sie sind der Grund, dass ich das Kiron-Team in München getroffen haben. Und die haben mir einen Job im Study Hub angeboten." Seit Oktober besucht Saeed das Study Hub nicht mehr als Kiron Student, sondern als bezahlter Koordinator. Natürlich macht er weiterhin seine Kurse, aber dank der Chromebooks, die ihn ursprünglich zu Kiron gelockt haben, hat er auch eine Anstellung gefunden und ist ein wertvolles Mitglied des Kiron Teams geworden. 

 

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Refugees Emancipation: Ein Internetcafé von Flüchtlingen für Flüchtlinge

Dezember 2016. Die Organisation Refugees Emancipation ist in Berlin und Potsdam tätig. Das besondere an ihr: alle acht Standorte werden ausschließlich von Flüchtlingen geleitet. Diese bieten dort Internetzugang für andere Flüchtlinge an. Diese Internetcafés sind ausgestattet mit Chromebooks, die von NetHope gestiftet wurden. Vor allem Flüchtlingskinder nehmen dieses Angebot gerne an. Sie gehören stets zu den ersten, die unter der Anleitung der Internetcafé-Betreiber die Chromebooks verwenden. Refugees Emancipation arbeitet daran, wie sie Flüchtlingen ermöglichen können die Chromebooks auszuleihen und auch außerhalb der Räume und Öffnungszeiten ihrer Internetcafés zu nutzen. 

 

© Michael König

© Michael König

TeachCom Edutainment: Praktika, Ausbildungsplätze und Jobs auf der Estrel Jobbörse

Januar 2017. Bereits zum wiederholten Mal fand in Berlin die Estrel Jobbörse für Flüchtlinge statt, die TeachCom Edutainment mitorganisiert. Bei dieser Messe informieren sich Flüchtlinge über Praktikumsstellen, Ausbildungsprogramme und Arbeitsplätze - und können sich auch für diese bewerben. TeachCom stellte ihre Angebote vor, in denen sie unter anderem mit Chromebooks arbeiten. Vor Ort führten die Organisatoren mit den gesponserten Laptops Umfragen unter den Messebesuchern durch. "Die Ergebnisse werden wir später gemeinsam auswerten", erklärt Thomas Nittka von TeachCom, einer der Organisatoren, "Sie sollen dabei helfen, die Messe weiter zu verbessern." Die Estrel Jobbörse wurde ein Erfolg. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Besucherzulauf, es waren zahlreiche interessante Kandidaten dabei, die wir zu Vorstellungsgesprächen einladen werden", berichtet einer der Aussteller auf der Messe. 

 

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GMS in der Taus: Altersgerechte Sprachportale helfen Kindern Deutsch lernen

Mai 2017. Die Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule in der Taus in Backnang sind zwischen sechs und 16 Jahren alt und kommen aus 27 verschiedenen Ländern, darunter Pakistan, Tunesien oder Kasachstan. Zusätzlich gibt es in der Schule zwei Flüchtlingsklassen mit Kindern aus unterschiedlichen Ländern, unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen Deutschkenntnissen. Aus diesem Grund entschied sich Matthias Mayer, Deutschlehrer in den Flüchtlingsklassen, verschiedene Online-Sprachportale einzusetzen, sodass jedes Kind auf dem Niveau lernen kann, auf dem es sich befindet. Jüngere Kinder spielen das Onlinespiel "Lern Deutsch - Stadt der Wörter" des Goethe-Instituts, das durch alltägliche Situationen führt und das Kinder auch gegeneinander spielen können. Ältere Schüler nutzen die Sprachkurse der Deutsch-Akademie, wo sowohl Anfänger wie auch fortgeschrittene Sprachschüler Lerninhalte und Übungen finden.

 

Deutsches Rotes Kreuz Westfalen-Lippe: 5-köpfige syrische Familie findet online neue Wohnung

Juni 2017. Die Familie aus Syrien hat seit Monaten eine Wohnung gesucht. Der Vater konnte seine Frau und seine drei Kinder aus Syrien über die Türkei nach Herford in Nordrhein-Westfalen bringen. Sie konnten vorübergehend bei der Schwester des Familienvaters, seinem Schwager und ihren sechs Kindern leben. Die Lebenssituation wurde immer schwieriger. Die Mutter suchte Hilfe bei der Migrationsberatungsstelle des Deutschen Roten Kreuzes in Herford. Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes und des Migrationsberatungszentrums halfen ihr bei der Suche nach Unterkünften. Sie fanden schnell eine passende Wohnung. Nach Abschluss der Formalitäten konnte die Familie innerhalb von zwei Wochen in die neue Wohnung umziehen. Die anfänglich leere Wohnung wurde allmählich mit Möbeln und Haushaltsgegenständen gefüllt, die über eine Internetecherche mit den Chromebooks gefunden wurden. 

 

Asylplus: Volunteer Vision stärkt das Selbstvertrauen 

Juni 2017. Rachid ist ein ruhiger, zurückhaltender Mann. Er sprach wenig und traute sich kaum einen Satz auf Deutsch zu sagen, als er zum ersten Mal ein Asylplus Lernzentrum besuchte. Computer waren ihm völlig fremd, was sich jedoch rasch änderte. Rachid lernte Deutsch mit den Online-Lernangeboten des Goethe-Verlags, unterstützt durch Texte in Arabisch, seiner Muttersprache. Zusätzlich meldete er sich für den Online-Sprachunterricht mit "Volunteer Vision" an. Schnell fand sich eine Tutorin.  Ehrenamtlich trifft sie sich einmal pro Woche über ihren Arbeitgeber für eine Stunde im Live-Video-Chat mit Rachid, um mit ihm Sprechen, Vokabeln und Grammatik zu üben. Rachid leiht sich für die Chat Session in der örtlichen Bibliothek ein Chromebook aus. Online Materialien von Volunteer Vision unterstützen sowohl die Tutorin wie auch Rachid während des Unterrichts. Das gemeinsame Lernen mit seiner Tutorin hat Rachid's Selbstvertrauen gestärkt. Immer öfter wagt er es auf Deutsch zu kommunizieren und Fragen zu stellen - und er lächelt. 

 

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Flüchtlingshilfe Karlsruhe: Flüchtlingskinder bauen sich selbst Longboards

Juni 2017. Jeden Dienstag lädt die gemeinnützige Organisation "jubez" Kinder und Jugendliche aus Karlsruhe sowie Flüchtlingskinder zu einem Workshop ein, bei dem sie mit Holz arbeiten dürfen. Das Motto lautet "create n roll": Longboards zu bauen und dann damit zu fahren. Dabei werden die Kindern von professionellen Mitarbeitern unterstützt. Die jungen Flüchtlinge nutzen Chromebooks, um nach Fotos zu suchen, die sie auf das Holz ihrer Longboards aufmalen können. Viele suchen nach Bildern, die sie an ihre Heimat erinnern. Der Workshop und das gemeinsame Interesse helfen dabei, Sprachbarrieren und Alterunterschiede zu überwinden und Freundschaften zwischen verschiedenen Kulturen entstehen zu lassen. 

 

Volkshochschule Marburg: Eine junge Mutter lernt Deutsch, um wieder als Krankenschwester arbeiten zu können

Juni 2017. Hedle Hac Ahmed ist 19 Jahre jung. Sie ist vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen. Geboren und aufgewachsen ist sie in Syrien. Hedle konnte lange keinen Deutschkurs machen, weil sie einen kleinen Sohn hat. Miron wurde vor 15 Monaten in Stadtallendorf in Hessen geboren, und versteht schon ein kleines bisschen Deutsch. Hedle ist sehr froh, dass sie endlich Deutsch lernen kann, weil Miran einen Platz in der Kita und sie einen Platz im Sprachkurs „Einstieg-Deutsch“ der Volkshochschule bekommen hat. Der Kurs kombiniert Unterricht im Klassenzimmer mit selbständigem Lernen online am Computer. Hedle lernt eifrig. Auch wenn ihr das Deutschlernen manchmal schwer fällt, freut sie sich über ihre Fortschritte. Hedle möchte in Deutschland als Krankenschwester arbeiten, wie sie es auch zu Hause schon getan hab. Deshalb hofft sie, bald in einen anspruchsvolleren Integrationskurs wechseln zu können, damit sie ihrem Ziel schnell näher kommt. 

 

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Save the Children: Medienkompetenz für Familien in Flüchtlingsunterkünften

August 2017. Kinder und Jugendliche, die in Flüchtlingsheimen in ganz Deutschland wohnen, nutzen Smartphones und andere Endgeräte, um ins Internet zu gehen. Das Internet birgt jedoch noch viele Gefahren für die Kinder und Ihre Daten. Es gibt derzeit noch keinen systematischen Ansatz, um Kindern diese Gefahren verständlich zu erklären oder sie vor den Gefahren zu schützen. Seit über zwei Jahren arbeitet Save the Children an der Stärkung und Förderung des Kinderschutzes in Flüchtlingsheimen durch verschiedene Programme, Aktivitäten und Interessenvertretungen. Durch ein medienpädagogischen Kursangebot in verschiedenen Unterkünften will Save the Children Kindern und Jugendlichen, aber auch Eltern und Mitarbeitern in Flüchtlingsheimen, nahebringen, wie man das Internet und die Computer benutzt und dabei sicher bleibt. Einige der Chromebooks verbleiben nach dem Abschluss eines Kurses an diesem Standort. Werden die Kurse an einem Standort zum ersten Mal durchgeführt, dann werden gleichzeitig Trainer ausgebildet, die auch weiterhin vor Ort Kurse anbieten und technische Unterstützung geben können. Erste Lektionen stellen das "Internet ABC" vor. Kinder lernen, wie man Browser und Suchmaschinen benutzt, was die damit verbundenen Risiken sind und wie sie ihre Daten schützen können. Bei der "Khan Academy" entdecken Kinder Inhalte und Übungen für Mathematik, Naturwissenschaften und Deutsch. In der "Einführung in die Informatik" lernen Kinder spielerisch und kinderfreundlich das Programmieren.

 

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ADIA Erding: Ein Erfolgsmodell für digitales Lernen

August 2017. Das Lernen mit digitalen Medien in "normalen" Klassen wird zunehmend selbstverständlich. Die Schüler einer Flüchtlingsklasse in Taufkirchen/Vils haben dank ADIA-Erding genügend Chromebooks in ihrem Klassenzimmer, so dass jeder Schüler die Möglichkeiten des Internets entweder in Einzel- oder Partnerarbeit nutzen kann. Wichtig ist, dass die Schüler im Lernprozess gezielt angeleitet werden. Lehrer bereiten Arbeitsblätter mit Übungen vor, für die Schüler die Chromebooks verwenden. Eine typische Aufgabe ist: Welche Worte verstehst du nicht? Verwende dein Chromebook und Google Übersetzer und schreibe die Übersetzung über das Wort. Auf diese Weise können die Schüler sich auch schwierigere Texten erschließen. Weitere Einsatzfelder sind das Suchen der richtigen deutschen Artikel (der, die, das) zu Wörtern oder vertiefende Online-Übungen zu den Lehrbüchern im Fach Deutsch. In einer Flüchtlingsklasse müssen unterschiedliche Lernanforderungen berücksichtigt werden. Die Chromebooks eignen sich gut für die Differenzierung im Mathematikunterricht: Jeder Schüler arbeitet entsprechend seines Wissens auf der angemessenen Lernstufe. Die Flüchtlingsklasse in Taufkirchen/Vils gilt als Erfolgsmodell für digitales Lernen in besonders heterogenen Strukturen.

 

Post by Theresa Ritzer, NetHope - Project Reconnect