Kiron: "Meine Geschichte ist noch nicht in Stein gemeißelt."

Juli 2017. Flüchtlinge, die studieren möchten, sehen sich vielen Hindernissen gegenüber. Fehlende Dokumente, unklarer Aufenthaltsstatus und Sprachbarrieren erschweren den Weg an die Hochschule. Die Online-Bildungsplattform Kiron Open Higher Education hilft Flüchtlingen, diese Barrieren zu überwinden und ein Studium zu beginnen oder eine unterbrochene Hochschulausbildung fortzusetzen. Gelernt wird online mit Kiron und zahlreichen Bildungspartnern. Kiron Studenten ohne eigenen Computer können in lokalen Studienzentren auf die Online Inhalte zugreifen oder bei Bedarf einen Laptop als Leihgabe von Kiron erhalten. 

Im Juli stellen sich Ihnen drei Kiron Studenten vor. Dies ist die Geschichte von Mohammed, einem Familienvater aus Syrien, der mit Kiron Business Administration studiert.

Mohammed

“Mein Name ist Mohammed. Ich bin ein Flüchtling aus Damaskus in Syrien”, erzählt er mit leiser Stimme. Mit Kiron studiert Mohammed Business Administration. 2015 kam er nach Deutschland. Zu Hause in Syrien studierte er Naturwissenschaften und führte ein eigenes Geschäft, in dem er Produkte für den medizinischen Bedarf verkaufte. “Es war ein guter Job”, sagt Mohammed, “Der Laden ist gut gelaufen. Auf einer Geschäftsreise bin ich sogar einmal nach Deutschland gekommen.” Mohammed ist ziemlich groß, aber sein Blick wirkt schüchtern. “Es war wie ein Traum, damals”, erzählt er, “Aber ich denke nicht über die Vergangenheit nach. Es ist zu hart.” Er erklärt: “Als Flüchtling musst du alles vergessen, was vorher war. Ich kann nicht über die Vergangenheit nachdenken. Ich muss mir ein neues Leben aufbauen.”

Traurigkeit und Hoffnung schwingen gleichzeitig in seiner Stimme mit: “Ich konzentriere mich auf mein Studium und lerne Deutsch. In Deutschland bin ich zuerst nach Dortmund gekommen. Dort habe ich ein Jahr gelebt. Dann bin ich nach Berlin. Vor drei Monaten habe ich meine Familie, meine Frau und meine Kinder, zu mir holen können. Mein Sohn ist acht Jahre alt und meine Tochter ist vier. Sie gehen in Lichtenberg zur Schule und in die Kita. Meine Frau studiert Biologie an der FU Berlin. Wir sind hier sehr glücklich.” Mohammed lächelt: “Ich mag das Studium mit Kiron sehr. Coursera ist fantastisch. Online zu lernen macht mir Freude. Kiron stellte mir mit dem Projekt Reconnect einen Laptop zur Verfügung. Ich muss nirgends hingehen und kann überall zu jeder Zeit lernen. Im Moment mache ich Online-Kurse in Marketing und Sprachkurse. Und wer weiß – vielleicht habe ich eines Tages das Glück, an eine Universität zu wechseln und meinen Abschluss dort zu machen. Es wäre wunderbar, wenn ich hier in Berlin aufgenommen werden könnte. Mein Traum für die Zukunft ist es, eines Tages wieder mein eigenes Unternehmen zu haben, so wie damals zuhause in Syrien. Ich werde meine Erfahrung und alles, was ich bisher gemacht habe, nutzen, um meine Zukunft zu gestalten. Und ich will von den Deutschen lernen, wie sie arbeiten und wie sie denken. Sie sind wirklich gut in technischen Dingen ... Deutschland ist da Nummer eins!” Bewunderung schwingt in seiner Stimme mit. “Die Leute hier sind sehr freundlich. Aber ist schwer, Freunde zu finden”, seufzt Mohammed. “Manche Leute sind großartig. Manche sind es nicht. Wie überall in der Welt. Ich muss mehr über die deutsche Kultur lernen. Im Moment fühle ich mich noch als Gast - aber vielleicht werde ich mich hier eines Tages zu Hause fühlen. Ohne die Sprache zu können, ist das aber sehr schwierig. Deswegen gebe ich mein Bestes, um Deutsch zu lernen.”

Mohammeds Blick wirkt nun weniger schüchtern. “Ich mag Berlin sehr. Mein Lieblingsplatz ist das Historische Museum. Ich glaube, dass jeder Stein in Berlin eine Geschichte hat. Meine Geschichte ist eine andere. Ich bin einen weiten Weg von Damaskus nach Deutschland gekommen. Aber meine Geschichte ist noch nicht in Stein gemeißelt – nun studiere ich mit Kiron und hoffe, mir hier eine Zukunft aufzubauen.”

 

Das Interview führte Flora Roenneberg, Kiron Open Higher Education.