Asylplus: Ein Ort, an dem jeder lernen kann

Die Stadtbücherei Bad Tölz und Asylplus stellen Flüchtlingen Laptops zur Verfügung, zum selbständigen Lernen in der Bücherei, für Lerntreffs und zur Ausleihe. 

September 2017. In Berufsschulen und Lernzentren in Bad Tölz gibt es einige Klassen für Flüchtlinge, in denen diese die deutsche Sprache lernen. Viele Flüchtlinge wollen aber auch außerhalb der Unterrichtsstunden weiterlernen - um das Gelernte zu vertiefen oder um schneller voranzukommen. Dafür braucht es einen Ort, der am besten allen offensteht, die dort lernen möchten. Was für ein Ort ist dafür besser geeignet als eine Bücherei? In der Stadtbücherei in Bad Tölz bekommen Flüchtlinge, die im Ort oder in der Umgebung wohnen, gratis eine Schnuppermitgliedschaft. Sie können Bücher und DVDs ausleihen – und Laptops, sogenannte Chromebooks, die die Stadtbücherei in Kooperation mit dem ebenfalls in Bad Tölz ansässigen Verein Asylplus zur Verfügung stellt. 

Die Nachfrage ist groß. „Wir haben mit fünf Laptops angefangen“, erzählt Melanie Sappl, die Leiterin der Bücherei, „Weil sie von Anfang an so stark genutzt wurden, haben wir bei Asylplus angefragt, ob wir noch mehr bekommen können.“ Die Stadtbücherei bekam insgesamt 15 Chromebooks. Fünf Chromebooks können von Büchereinutzern ausgeliehen werden, um sie zu Hause zu verwenden. „Die sind fast immer unterwegs“, berichtet Melanie Sappl. Die zehn übrigen Chromebooks stehen den Nutzern während der Öffnungszeiten zur Verfügung. 

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Die Bücherei ist umgeben von Schulen, darunter eine Berufsschule und eine Volkshochschule. Die Lehrer der Berufsintegrationsklassen für Flüchtlinge melden ihre Schüler zu Führungen durch die Bücherei an, damit diese das Angebot kennenlernen. Täglich nutzen etwa 15 Flüchtlinge und Asylsuchende die Chromebooks und das öffentliche WLAN der Bücherei, um online zu recherchieren, Sprachübungen zu machen oder in Lerntreffs mit anderen gemeinsam ihr Wissen zu vertiefen. Jeden Mittwoch und Donnerstag richten sich Volkshochschulkurse in einem separaten Raum im Obergeschoss ein. Mit ihrem Kursleiter und Online-Angeboten lernen Flüchtlinge dort Deutsch.

Melanie Sappl ist begeistert von den Chromebooks: „Aufklappen und loslegen! Bei welchem anderen Gerät geht das so leicht?“ Sie ist dem Verein Asylplus dankbar für die Laptops, die das Angebot der Bücherei erweitern. Das Beste an der Kooperation ist: „Wir haben mit den Laptops kaum Aufwand. Um alle technischen Details kümmert sich Asylplus. Die Bücherei stellt praktisch nur die Räume zur Verfügung.“ Und sie achtet darauf, dass die Laptops funktionieren und die Nutzer sorgfältig mit den Geräten umgehen. Bisher hatten sie keine Probleme. Melanie Sappl hatte deswegen auch keine Bedenken, die Chromebooks zu verleihen. „Man muss einfach mal etwas in der Praxis ausprobieren“, zeigt sie sich überzeugt, „Man muss den Mut haben, dass auch etwas mal nicht klappt. Wenn man nichts anfängt, funktioniert nämlich auch nichts.“ 

 

Post by Theresa Ritzer, NetHope - Project Reconnect