Asylplus: Mehrgleisig zum Erfolg

Noor Hakeem lernt mit Begeisterung: im Klassenzimmer, am Computer und von seinen Kollegen bei Asylplus.

Foto: © Thomas Bräuer

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Juni 2017. Noor Hakeem ist seit kurzem Papa. Vor ein paar Monaten haben Noor und seine Frau Sumaya ihr erstes Kind bekommen. Noor ist glücklich, dass sein Asylantrag anerkannt wurde und sie damit die Sicherheit haben, in Deutschland bleiben zu dürfen. Zusammen mit seiner Frau hat er sich in Deutschland ein neues Leben aufgebaut: Familie, eigene Wohnung, Arbeitsstelle.

Noor ist mit seiner Frau aus Bangladesch nach Deutschland geflüchtet. Geboren wurde er in Myanmar, auch bekannt als Burma. Noor gehört zur dortigen muslimischen Minderheit der Rohingya, die in Myanmar unterdrückt werden, beispielsweise, indem man ihnen die Staatsbürgerschaft verweigert. Auch in Bangladesch haben die Flüchtlinge kaum Chancen, sich im Land zu integrieren. Noor und seine Frau flohen deswegen nach Deutschland.

Im Februar 2016 begann Noor einen siebenmonatigen Sprachkurs des Beruflichen Fortbildungszentrums (BFZ) in Geretsried. Nach vier Monaten wagte sich Noor an die abschließende Sprachprüfung - mit Erfolg. Sein Zertifikat bescheinigt ihm, dass er in der Lage ist, einfach und zusammenhängend in Deutsch über vertraute Themen zu sprechen. 

Das Arbeitsamt vermittelte Noor ein Praktikum bei Asylplus in Bad Tölz. Noor wurde Teil eines bunten Teams: Mitarbeiter, Praktikanten und Ehrenamtliche unterhalten sich in vielen Sprachen, während sie Computer und Laptops vorbereiten, die an Hilfsorganisationen, Helferkreise und Bibliotheken verteilt oder in lokalen Lernzentren eingesetzt werden. Der Verein hilft Asylbewerbern und anerkannten Flüchtlingen, mit Unterstützung von Computern die deutsche Sprache zu lernen und sich auf eine Ausbildung oder einen Beruf vorzubereiten. Noor hilft beim Aufsetzen und Verwalten der Computer, unterstützt bei Trainings und lernt auch selber mit den Computern weiter. Mit einem Google Chromebook und den Sprachlernprogrammen vertieft Noor seine Deutschkenntnisse. Auch seine Frau lernt mit den Sprachangeboten. “Wir haben alle ausprobiert”, erzählt Noor, “Das Programm der Deutschen Welle ist sehr gut. Wir üben auch mit den DUO Sprachkursen der LMU München.” Die Ludwigs-Maximilians-Universität in München bietet Lernmaterialien, mit denen man online fast bis zum Niveau eines Muttersprachlers üben kann.

Vor ein paar Wochen wurde Noors Asylantrag offiziell anerkannt. “Da bin ich ins Jobcenter gegangen”, berichtet Noor. Aber nicht, um Unterstützung zu erhalten, sondern, um auf dem Arbeitsamt seinen Job anzumelden: Bei Asylplus ist er jetzt nicht mehr Praktikant, sondern Mitarbeiter. Noor ist froh darüber, dass er anderen Flüchtlingen helfen kann. So zeigt er geflüchteten Studenten an der Technischen Universität München, wie sie Online-Angebote in ihrem Studium nutzen können. An der Berufsschule in Bad Tölz unterstützt Noor die Schüler einer Berufsintegrationsklasse, in der die Geflüchteten auf den deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt vorbereitet. Dabei beschäftigen die Schüler sich mit Themen, die sie selbst interessieren und in denen sie sich vorstellen können, später einmal zu arbeiten.

Bevor er nach Deutschland kam, hat Noor selbst nie die Chance bekommen, mehr als eine Grundschule zu besuchen. Er musste sich alles selbst beibringen. Noor möchte Informatik studieren und eines Tages als Software-Ingenieur arbeiten. Um sich diesen Traum zu erfüllen, bereitet sich Noor an der Abendrealschule in München auf die Mittlere Reife-Prüfung vor.  „In meinem Zwischenzeugnis hatte ich die Note 1 in Deutsch, Mathe und Englisch und auch noch in anderen Fächern“, freut sich Noor. 

 

Post by Theresa Ritzer, NetHope - Project Reconnect