Asylplus: Junge Flüchtlinge fit machen für eine Ausbildung in Deutschland

November 2017. Acht junge Männer in einer Vorbereitungsklasse für Flüchtlinge haben ihre Tische zu zwei Gruppentischen zusammengeschoben. Vor ihnen ausgebreitet liegen großformatige Baupläne: der Grundriss eines Badezimmers. Jeder von ihnen hat zudem einen kleinen Laptop vor sich stehen: ein Google Chromebook. Im Internet suchen die jungen Flüchtlinge nach Fliesen, mit denen sie ihr Modell-Badezimmer verlegen wollen. “Was eine Fliese ist, werden die Jungs in ihrem Leben nicht mehr vergessen”, meint Lehrer Markus Hoffmann schmunzelnd, “so oft, wie sie dieses Wort jetzt schon benutzt haben.”

Wieland Holfelder, Google München (stehend, 2. v. l.), und Sybille Fleischmann, NetHope - Project Reconnect, besuchen den Deutschunterricht von Markus Hoffmann (stehend, Mitte) an der Berufsschule in Dachau.

Wieland Holfelder, Google München (stehend, 2. v. l.), und Sybille Fleischmann, NetHope - Project Reconnect, besuchen den Deutschunterricht von Markus Hoffmann (stehend, Mitte) an der Berufsschule in Dachau.

An der Staatlichen Berufsschule in Dachau, der Nikolaus-Lehner-Schule, unterrichtet Markus Hoffmann Deutsch in einer Vorbereitungsklasse für Flüchtlinge. Jedes Jahr begrüßt die Berufsschule in Dachau 120 neue Schüler in diesen Vorbereitungsklassen. Vorbereitungsklasse deswegen, weil diese Kurse die Flüchtlinge fit dafür machen soll, in Deutschland eine Ausbildung zu beginnen. Insgesamt betreut die Schule 240 junge Flüchtlinge in einer bis zu zwei dauernden “Vor-Ausbildung”. Im ersten Jahr bekommen die Flüchtlinge Unterricht in Deutsch, Mathe und darüber, wie das Leben in Deutschland funktioniert: wer bezahlt meinen Besuch beim Arzt, wie lese ich die Münchner U-Bahn-Pläne und wie verhalte ich mich im Straßenverkehr.

Im zweiten Jahr wechseln die Schüler aus den Vorbereitungs- in die Berufsintegrationsklassen. Jetzt stehen Praktika in Betrieben an, für deren Fachgebiete sich die Schülerinnen und Schüler interessieren. Die Schule unterstützt die Flüchtlinge dabei, einen Praktikumsplatz zu finden. Dafür stehen neben den Lehrern spezielle Pädagogen zur Verfügung. “Über die Praktika machen die Schüler die Arbeitgeber auf sich aufmerksam”, erläutert Isabelle Bichler, Lehrerin an der Nikolaus-Lehner-Schule, das System, “und im Idealfall bekommen sie dort nach dem Praktikum eine Ausbildungsstelle angeboten.” Zum Beispiel als Maler oder als Krankenschwester. Natürlich haben die jungen Geflüchteten während ihrer Ausbildung auch noch Unterricht an der Berufsschule. Dann gehen sie zusammen mit den Berufsschülern aus Deutschland in eine Klasse. 

Die Schule hat über den Verein Asylplus für die Flüchtlingsklassen Google Chromebooks von NetHopes Project Reconnect erhalten. Die Laptops motivieren die Schüler im Unterricht. Die Schüler der Deutschklasse von Markus Hoffmann sind da keine Ausnahme: “Die Jungs freuen sich jedes Mal, wenn ich mit den Laptops in die Klasse komme.” Für das Badezimmer-Projekt recherchieren sie auf den Internetseiten von Baumärkten, welche Fliesen sie verwenden möchten und was diese kosten würden. Wenn Isabelle Bichler die Chromebooks für Verkehrserziehung einsetzt, lässt sie ihre Schüler Straßenschilder recherchieren oder Erklärvideos anschauen. Das Tolle für sie an den Computern ist die individuelle Förderung: “Der eine kann ein Arbeitsblatt lösen, während ein anderer schon eine Wissensprüfung macht.”

Speziellen Computerunterricht haben die Flüchtlinge auch: sie lernen, wie man mit zehn Fingern auf der Tastatur schreibt und was man im Internet beachten muss: Fallen, die bei Abos lauern, oder was beim Kopieren von Videos zu beachten ist. Christian Oswald, der die IT-Initiativen der Berufsschule Dachau koordiniert, hofft, dass die Schüler die Laptops bald wie ein ganz normales Arbeitsgerät einsetzen: “Das Gerät steht auf dem Tisch und wenn ich etwas nicht weiß, klappe ich es einfach auf und suche nach der Lösung.” 

Die Schüler in Markus Hoffmanns Deutschklasse nutzen die Chromebooks bereits ganz selbstverständlich: für ihre Aufgabe, das Modell eines Badezimmers zu fliesen, suchen sie im Internet nach geeignetem Material. Wenn sie Worte nicht kennen, lassen sie sich diese von den Chromebooks übersetzen. Die Jungen lernen im Deutschunterricht nicht nur Deutsch. Sie nutzen ihren mathematischen Fähigkeiten und lernen, eigenständig zu arbeiten. 

 

Post by Sybille Fleischmann, Project Lead, NetHope - Project Reconnect