Asylplus: Soziales Engagement hilft bei der Integration

September 2017. Adnan Saleem Saqibs Heimat ist Pakistan. Seit einem Jahr arbeitet er in der Kurstadt Bad Tölz, südlich von München, im Altenheim Josefistift als Pfleger. Als Teilnehmer des Bundesfreiwilligenprogramms, kurz Bufdi, pflegt und betreut der studierte Ökonom die Bewohner des Altenheims.

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Adnan studierte in Pakistan Wirtschaftswissenschaft und arbeitete sieben Jahre als Buchhalter. Seine Frau und er lernten sich an der Universität kennen, verliebten sich und heirateten - ohne dass ihre Eltern die Ehe arrangiert hätten. In Pakistan ein grober Verstoß gegen die Moral. Sittenwächter fanden die Familie und schlugen Adnan krankenhausreif. Seine Frau verschonten sie nur deshalb, weil sie schwanger war. Adnans Freunde drängten ihn zu fliehen, da die Sittenwächter ihn jederzeit wieder zusammenschlagen könnten. Vor drei Jahren floh Adnan deshalb aus seinem Heimatland. Ohne seine Frau und seine beiden Töchter. Sie wurden bereits zuvor von ihm getrennt. “Die kleinere der beiden habe ich noch nie persönlich getroffen”, erzählt Adnan stockend, “Ich hoffe so sehr, dass ich sie eines Tages sehe und wieder mit meiner Familie zusammenleben darf.”

Im Oktober 2015, in der Hochphase der Flüchtlingskrise, kam Adnan im bayerischen Bad Tölz an und fand schnell den Weg zu Asylplus. Der Verein hilft  Flüchtlingen, mit Unterstützung von Computern und Online Inhalten Deutsch zu lernen.  Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vereins haben schon vielen Flüchtlingen geholfen eine Ausbildungsstelle oder einen Praktikumsplatz zu finden - Adnan ist einer davon.

Nach einem dreiwöchigen Praktikum im Josefistift lud die Leiterin Adnan ein, sich als Bufdi zu bewerben. Dass anerkannte Asylbewerber als Bundesfreiwillige arbeiten, ist seit Dezember 2015 möglich. Damals schuf das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben bis zu 10.000 neue Bufdi-Plätze für Flüchtlinge oder in Einrichtungen für Geflüchtete. Seither können sich anerkannte Asylbewerber und Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive für 12 bis 14 Monate in einer sozialen, kulturellen, ökologischen und sportlichen Einrichtung engagieren. Dieses Engagement unterstützt die Flüchtlinge dabei, sich in Deutschland zu integrieren. Adnan entschied sich für eine soziale Einrichtung und unterstützte von September 2016 bis Ende August 2017 die Mitarbeiter des Josefistifts. “Als meine Mutter krank geworden ist, habe ich sie gepflegt”, erzählt er, “Deshalb wusste ich, dass ich mir so etwas auch als Beruf vorstellen kann.”

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Adnans fällt es heute leicht, sich mit seinen Kollegen und den Bewohnern des Josefistifts in Deutsch auszutauschen. Seine Freizeit nutzt Adnan, um Grammatik am Computer zu üben, beispielsweise mit den Online-Angeboten des Schuberth-Verlags oder der Deutschen Welle. Entdeckt hat Adnan diese Möglichkeit in der Stadtbücherei von Bad Tölz. Seit September 2016 können Flüchtlinge dort während der Öffnungszeiten selbstständig Deutsch lernen. AsylPlus hat der Bücherei Chromebooks zur Verfügung gestellt, die einen kostenlosen Zugang zu Online-Deutschkursen und Sprachübungen bieten. Den Sprachtest auf dem fortgeschrittenen Level B1 hat Adnan bereits erfolgreich bestanden. Seine Sprachkenntnisse nutzt Adnan jedoch nicht nur bei der Arbeit. Er hilft außerdem als Sprachmittler für andere Pakistanis aus, wenn diese nach einer Arbeitsstelle suchen.

Adnans neues Berufsfeld macht ihm Spaß. Er wird im Altenheim bleiben: er hat einen Ausbildungsplatz zum staatlich geprüften Altenpfleger bekommen. Um die Altenpflegeschule zu meistern, an der er ausgebildet wird, lernt Adnan mit einer Lehrerin von Asylplus die fachspezifische Grammatik und das Vokabular der Altenpflege. Diesen Monat, im September, beginnt Adnan seine Ausbildung im Josefistift.

 

Post by Theresa Ritzer, NetHope - Project Reconnect