VHS Landsberg am Lech: Ein Schreiner aus Eritrea beginnt ein neues Leben in Deutschland

August 2016. Ibrahim Mohamed Saeid arbeitete als Schreiner in Eritrea, als 2011 plötzlich die Polizei an seinem Arbeitsplatz erschien und ihn verhaftete. Saeid’s Buder hatte ein Stipendium für ein Studium in Italien erhalten und hatte daraufhin Eritrea ohne Erlaubnis verlassen. Damit setzte er seine Familie der Bestrafung durch die Regierung aus. Und so landete Ibrahim Saeid, obwohl er kein Verbrechen begangen hatte, im Gefängnis. Er verbrachte dort fast zwei Jahre, bis ihm ein Gewitter eine Gelegenheit gab, zu fliehen.

Saeid arbeitete mit anderen Gefängnisinsassen auf einem Acker als ein heftiges Unwetter über sie herein brach. Jetzt oder nie! Das darauf folgende Chaos gab Herrn Saeid die lang ersehnte Chance zur Flucht. Über den Sudan schaffte er es durch die Wüste bis nach Libyen. Dort vereinbarte er mit einem Schlepper, dass er für die Finanzierung der Überfahrt über das Mittelmeer drei Monate in der Landwirtschaft arbeiten würde. Aus den vereinbarten drei Monaten wurden eineinhalb Jahre, bevor Herr Saeid dann tatsächlich auf die Bootsfahrt nach Europa mitgenommen wurde und schließlich Landsberg am Lech erreichte, zusammen mit 15 weiteren Flüchtlingen aus Eritrea.

Herr Said hatte von der Möglichkeit erfahren, an der Volkshochschule Landsberg am Lech die deutsche Sprache und Wichtiges über das Leben in Deutschland zu lernen. Die Volkshochschule lud Flüchtlinge und Asylsuchende ein, selbständig mit Computern und einem Programm des Goethe-Instituts Deutsch zu lernen. Für jeden Lern-Treff holten die Teilnehmer gespendete Desktop-PCs aus dem Keller, setzten sie auf und verbanden sie mit dem Internet. Im Februar 2016 waren die 15 Eritreer mit dem Lernprogramm des Goethe-Institus fertig und lernten von da an mit Ich-will-Deutsch-lernen.de, dem Programm der Deutschen Volkshochschulen.

Im Mai 2016  erweiterte die VHS Landsberg die  sogenannte Lernwerkstatt mit Hilfe einer Chromebook Spende von Project Reconnect, einer Initiative, die von NetHope und Google.org gestartet wurde. Herr Saeid unterstützt seither andere Flüchtlinge dabei mit Hilfe der Chromebooks und dem Sprachprogramm Deutsch zu lernen. Mehrmals pro Woche finden je zwei bis dreistündige Schulungen statt, die durch persönliche, ehrenamtliche Betreuer durchgeführt werden.

Herr Saeid arbeitet in Landsberg wieder in seinem eigentlichen Ausbildungsberuf: Er hat zwei Praktika absolviert, bei den IWL-Werkstätten und bei der Schreinerei Krist. Herr Saeid versucht derzeit, für seine Schreinerausbildung in Eritrea eine Teilanerkennung in Deutschland zu bekommen. Die IHK hält eine Anerkennung als Holzbearbeitungsmechaniker für möglich. Herr Saeid hat bereits u. a. seinen ersten Hocker in Deutschland angefertigt (siehe Bild unten) . Seine exzellente Arbeitsweise wurde dabei von einem Schreinermeister bei der Schreinerei Krist beurteilt.

Viele in Deutschland ankommende Flüchtlinge sind überwältigt von den kleinen und großen Freiheiten in Deutschland. Dass beispielsweise der Konsum von Alkohol in Deutschland erlaubt ist, erscheint für viele Flüchtlinge außerhalb des Vorstellbaren. So ging es auch Herrn Saeid. Er hat daher die folgende Empfehlung für andere Flüchtlinge: „Achtet nicht darauf, was die Deutschen im Biergarten trinken, sondern schaut darauf, welche Berufe sie ausüben. Lernt Deutsch und startet proaktiv in ein neues Leben“.

Post von Sybille Fleischmann, Project Lead, NetHope Project Reconnect