„Eigentlich bin ich Betriebswirtschaftlerin. Jetzt bringe ich Frauen Deutsch bei.“

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Februar 2017. Vor knapp drei Jahren kam Haxhere Salkurti mit ihrem Mann in Gelsenkirchen an - ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Heute leitet die Albanerin Deutschkurse für Flüchtlinge und nutzt dabei Laptops, damit die Kursteilnehmerinnen interaktiv lernen und dabei auch noch Spaß haben können. Mit der Hilfe von Chromebooks, die von Project Reconnect gespendet wurden, üben sie die Aussprache deutscher Wörter und Sätze, und lernen den Alltag in Deutschland kennen. 

„So ein Chromebook hätte ich auch gerne genutzt, als ich selber Deutsch gelernt habe“, stellt Frau Salkurti fest. Sie hat sich das meiste aus Büchern beigebracht und sich unzählige Stunden in der Stadtbücherei Gelsenkirchen durch Bücher zu Grammatik und Wortschatz gearbeitet. Heute spricht sie fast schon wie eine Muttersprachlerin. Jetzt lernt Frau Salkurti auch noch Arabisch, damit sie besser mit den Flüchtlingen kommunizieren kann, denen Sie Deutsch beibringt.

In Gelsenkirchen wurde das Projekt „Offen Alpha“ ins Leben gerufen, um etwas gegen Analphabetismus zu unternehmen und den Betroffenen zu helfen, Lesen und Schreiben zu lernen. Frau Salkurti nahm im Rahmen dieses Projektes an einem Kurs teil, in dem vor-zugsweise Migrantinnen und Migranten zu sogenannten Lernbegleitern geschult werden. Diese Lernbegleiter betreuen die Sprachkurse „Einstieg Deutsch“ der Volkshochschule und unterstützen die Kursteilnehmer auch außerhalb der Kurszeiten.

Der erste Deutschkurs für Flüchtlinge startete in Gelsenkirchen im Sommer 2016. Haxhere Salkurti war als Lernbegleiterin mit dabei. Sie betreut bereits den dritten Kurs. Ein Kurs besteht aus ungefähr 15 Frauen, die zumeist aus Syrien und dem Irak geflüchtet sind und jetzt Deutsch lernen wollen. Sie werden dabei unterstützt von Haxhere Salkurti und vier Chromebooks, die die Volkshochschule Gelsenkirchen über Project Reconnect bekommen hat und für diese Einstiegskurse bereitstellt. NetHope startete Project Reconnect mit Unterstützung von Google.org, um Flüchtlingen, die in Deutschland ankommen durch den Zugang zu Informations- und Bildungsangeboten zu helfen, ihr Leben wiederaufzubauen.

Haxhere Salkurti sagt die Chromebooks sind perfekt für die Kurse, die sie unterrichtet. erlebt im Klassenzimmer wie die Chromebooks das Deutschlernen und Einleben unterstützen. „Wir machen keinen Frontalunterricht“, erklärt Frau Salkurti, „das meiste ist Gruppenarbeit. Und dafür eigenen sich die Chromebooks perfekt.“ Für die Deutsch-Lektionen benutzen die Teilnehmerinnen hauptsächlich das Portal der Volkshochschule Ich-will-Deutsch-lernen, aber es kommen auch andere Sprachportale zum Einsatz. Einen großen Vorteil der Chromebooks sieht Frau Salkurti darin, dass man mit ihnen auch die Aussprache üben kann, weil man sich mit dem Chromebook die Worte vorsprechen lassen kann. „Und diese Möglichkeit hat kein Buch“, fügt Frau Salkurti lachend hinzu. Auch über das Deutsch lernen hinaus helfen die Chromebooks den Kursteilnehmerinnen dabei, sich in Deutschland zurechtzufinden und Neues zu entdecken. Frau Salkurti erzählt von einer Kursteilnehmerin, die mit dem Chromebook in Gelsenkirchen eine Wohnung gesucht und gefunden hat. Zu den “Einstieg Deutsch”-Kursen gehören auch Ausflüge in die Stadt, beispielsweise in die Bücherei oder auf Flohmärkte und Basare. Besonders letztere kennen die Kursteilnehmerinnen aus ihren Heimatländern. In der Kursstunde nach dem Flohmarktbesuch haben die Frauen auf den Chromebooks nach anderen Märkten in Gelsenkirchen gesucht, auf denen sie zum Beispiel Kinderkleidung günstig kaufen können.  

Zusammen mit einer Kollegin aus dem Team „Offen Alpha“ richtet Haxhere Salkurti in der Stadtbücherei von Gelsenkirchen eine Lernecke ein, in der die Chromebooks auch außer-halb der Unterrichtsstunden zum Deutsch lernen oder für andere Weiterbildungsangebote genutzt werden können. „Dann können auch die Teilnehmerinnen, die zu Hause keinen Computer haben, in dieser Lernecke weiterlernen“, freut sich Frau Salkurti.

„Das wichtigste für eine erfolgreiche Integration ist das eigene Engagement“, sagt Haxhere Salkurti. Man müsse selbst etwas dafür tun, dann klappt es auch. Bei ihr hat es geklappt. Wenn auch in einem Berufsfeld, an das sie früher eher nicht dachte. Sie lacht. „Eigentlich bin ich Betriebswirtschaftlerin. Jetzt bringe ich Frauen Deutsch bei.“

Frau Salkurti freut sich, dass sie Frauen, die nach einer beschwerlichen Flucht in Deutsch-land ankommen, helfen kann und dass diese mit ihrer Hilfe und der Unterstützung der Chromebooks auf rasche und unterhaltsame Art Deutsch lernen können.

 

Post von Theresa Ritzer, NetHope - Project Reconnect