Bir inform: Syrer hilft deutschen Flüchtlingshelfern bei der Nutzung von Chromebooks

Oktober 2016. Ehrenamtliche Helfer im Landkreis Birkenfeld im Südwesten von Rheinland-Pfalz wollen Flüchtlinge mit Hilfe von Chromebook-Computern in Deutsch und Mathematik unterrichten. Doch um das zu können, müssen die Helfer erst einmal wissen, wie man die Chromebooks handhabt. Dabei hilft ihnen ein Flüchtling aus Syrien. Omar Azad Ahmad zeigt ihnen wie man die Chromebooks nutzt und verwaltet.

Omar Azad Ahmad (rechts im Bild) ist Kurde und kommt aus Qamischli, einem der Orte in Syrien, in denen in den vergangenen Monaten besonders häufig Anschläge und Kriegsgräuel verübt wurden. Ahmad absolvierte in Syrien eine Berufsausbildung als Assistant Electronic Engineer und studierte dann in Aleppo fünf Jahre Telekommunikations Ingenieurwesen.

Oktober 2013: Aleppo wird kontrolliert von den Rebellen der “Freien Syrischen Armee”. Aus dem Nordosten startet der Islamische Staat eine Initiative, aus dem Süden rückt die syrische Armee mit Unterstützung verbündeter Milizen auf Aleppo vor. In der Stadt wird das Essen knapp. Fast täglich fallen Bomben, Gewehrfeuer ist ständig zu hören. Herr Ahmad fürchtet um sein Leben. Er entschließt sich zur Flucht.  

Der 34-jährige Ingenieur beantragt ein dreimonatiges Visum für Deutschland. Seine jüngere Schwester arbeitet bereits seit vier Jahren als Ärztin in Idar-Oberstein, in der Nähe von Birkenfeld. Sie unterstützt seinen Antrag.  Im November wird sein Visum genehmigt. Herr Ahmad besteigt in Beirut ein Flugzeug und flieht nach Deutschland.

Fast drei Jahre später hat Omar Ahmad die anspruchsvolle Prüfung “B2 + Beruf” in Deutsch bestanden. “Ich bin nicht sprachbegabt”, sagt er über sich, dabei spricht er neben Kurdisch auch Arabisch und Englisch. Und jetzt Deutsch auf B2-Niveau.  Er legte dafür eine berufsbezogene Sprachprüfung ab, die 600 bis 750 Unterrichtseinheiten erfordert, von denen mindestens 100 berufsspezifisch sein sollten. Bewerber, die diese Prüfung bestanden haben, sind bei Unternehmen gern gesehen. Auf die Sprachprüfung hatte er sich intensiv mit Trainingsprogrammen vorbereitet.  Der Birkenfelder Verein Bir Inform e.V. stellte ihm dafür ein Google Chromebook zur Verfügung.

Bir inform hat in Birkenfeld den Aufbau und Betrieb eines Zentrums für Schulung und Integration von Flüchtlingen und Asylsuchenden finanziert. “In diesem Jahr erhielten wir für unsere Arbeit für Flüchtlinge insgesamt 390 Chromebooks durch das Project Reconnect von Google.org und NetHope zugeteilt”, sagt Harald Lang, der Gründer und Vorstand des Vereins. “Wir werden diese Chromebooks in Institutionen der Flüchtlingsbetreuung im Landkreis Birkenfeld für Deutschkurse einsetzen”, so Lang (oben, links im Bild). Der Landkreis Birkenfeld hat insgesamt 1.400 Flüchtlinge aufgenommen; in ganz Rheinland-Pfalz sind es 25.000. Die Chromebooks werden von Bir Inform für Flüchtlingshilfe-Programme der Sozialverbände und Kirchen, bei privaten ehrenamtlichen Initiativen und bei Programmen für unbegleitete Jugendliche eingesetzt. Wenn alle Chromebooks im Einsatz sein werden, ist Bir Inform an über 50 Standorten in ganz Rheinland-Pfalz tätig.

Der Ingenieur Omar Azad Ahmad arbeitete sich im Rahmen seines Praktikums bei Bir Inform schnell in die Administration, Konfiguration und Anwendung der Google Chromebooks ein und half dabei, die Chromebooks einzurichten und an lokale Hilfsprojekte zu verteilen. Rasch stellte sich heraus, dass für viele der meist ehrenamtlichen Helfer das computergestützte Lernen noch Neuland ist.

Ahmad schult  die deutschen Betreuer der lokalen Helferkreise in der Handhabung der Chromebooks, gibt eine Einführung in den Einsatz von Cloud-Anwendungen und plant mit ihnen, wie Sie die Chromebooks noch effektiver einsetzen können, um Flüchtlinge beim Sprachenlernen zu unterstützen. Die Chromebooks werden dabei ergänzend zu Schulungen mit Lehrern eingesetzt und auch für reine Online-Kursangebote.

Um die Chromebooks auch offline nutzen zu können, hat Herr Lang 20 GB an Sprachkursen, Videos und digitalisierten Lehr- und Wörterbüchern auf einen Speicherstick geladen. Jede Organisation erhielt eine Kopie, sodass die Informationen an jedem Standort auch offline auf den Chromebooks abgerufen werden können.

Omar Azad Ahmad ist beeindruckt, wie hilfsbereit und nett ihn die Menschen in Deutschland aufgenommen haben. Er freut sich, dass er mit seinem Einsatz bei Bir Inform etwas von dieser Hilfsbereitschaft weitergeben kann.

Post von Sybille Fleischmann, Project Lead, NetHope Project Reconnect